| Ab 1406 | Die Vorfahren der Familie Klingele, Familie Ott, sind in der Stadt Waldsee nachweisbar und somit eine der ältesten Familien der Stadt. |
| 1663 | Das Gebäude des heutigen Hasen wird errichtet. |
| 1842 | Der Küfer Michael Ott erhält das persönliche Recht zur Branntweinfabrikation. |
| 1860 | Am 21.Oktober des Jahres eröffnet Georg Sebald Liebel die Weinstube zum Hasen, das Stammhaus des späteren Getränkehandels. |
| 1860 | Am Ende des Jahres übernimmt Josef Anton Ott die Weinstube. |
| 1878 | Der Küfer German Ott übernimmt mit seiner Frau Rosa, geborene Fränkel, die Weinstube. Gleichzeitig betreiben sie den ersten Weinhandel. |
| 1883 | Bedingt durch den frühen Tod des German Ott heiratet am 30.10.1883 die Witwe Rosa den aus Todtnauberg stammenden Theodor Klingele . |
| 1920 | Der Sohn German Klingele übernimmt mit seiner Frau Klara, geborene Igel, den Betrieb der Weinstube und des Weinhandels. |
| 1953 | Im Gebäude der Weinstube wird der erste Weinladen eingerichtet. |
| 1959 | Im Mai 1959 übernimmt der Sohn Friedrich Klingele mit seiner Frau Maria den Betrieb der Weinstube und des Weinhandels. |
| ab 1989 | Die Söhne übernehmen den elterlichen Betrieb, führen ihn fort und expandieren. |
| 2008 | Der „Hasen“ unterzieht sich einer grundlegenden Sanierung und wird im Juni wiedereröffnet |
Der „Hasen“: Eine Zeitreise durch die Jahrhunderte:
Wer heute die Weinstube „Zum Hasen“ in der Ravensburger Straße 12 betritt, taucht in ein lebendiges Archiv der Bad Waldseer Stadtgeschichte ein. Als ältestes familiengeführtes Gasthaus der Stadt ist der „Hasen“ weit mehr als ein Ort der Bewirtung – er ist ein Zeugnis bürgerlichen Stolzes, architektonischer Meisterschaft und unermüdlicher Gastfreundschaft.
Fundamente aus dem Mittelalter und barocker Wiederaufbau:
Die Geschichte des Hauses beginnt lange vor seiner Zeit als Weinstube. Archäologische Funde belegen, dass die massiven Grundmauern aus Wackersteinen bereits im 14. Jahrhundert gelegt wurden. Auf diesem mittelalterlichen Fundament entstand im Jahr 1663 das heutige prächtige Fachwerkhaus. In einer Zeit des Wiederaufbaus nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges errichteten Zimmerleute eine zweischiffige Konstruktion aus kräftigen Fichtenbalken, die bis heute durch ihre handwerkliche Präzision besticht. Die charakteristischen Fensterbänder und die langlebigen Wände aus einem Holz-Lehm-Geflecht machen das Gebäude zu einem herausragenden Beispiel oberschwäbischer Baukunst des 17. Jahrhunderts.
Ein juristischer Kniff und die Geburtsstunde der Weinstube:
Die Ära als Gaststätte begann im Jahr 1860 mit einer außergewöhnlichen Geschichte: Der Chirurg und Wundarzt Josef Anton Ott wollte im „Hasen“ eine Schankwirtschaft eröffnen. Da neue Konzessionen schwer zu bekommen waren, half ein juristischer Trick: Ein befreundeter Drucker kaufte kurzzeitig einen Teil des Hauses, übertrug darauf eine ruhende Konzession einer anderen Wirtschaft und verkaufte alles samt Schankrecht an Ott zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Anna Bauer, die aus einer traditionsreichen Gastwirtefamilie stammte, schuf Ott einen Ort des Austauschs, der schnell zum sozialen Knotenpunkt der Altstadt wurde.
Wandel und Vielfalt: Von Chirurgen, Küfern und Friseuren:
Über die Generationen hinweg war das Haus Schauplatz unterschiedlichster Handwerke. Während in der Gaststube Wein und Most flossen, diente das heutige Nebenzimmer nacheinander als chirurgische Praxis, Küferwerkstatt zur Fassherstellung und über 40 Jahre lang sogar als Friseurladen. Diese Vielseitigkeit prägte den Charakter des Hauses als „Wohnzimmer der Altstadt“, in dem man nicht nur einkehrte, um zu trinken, sondern um am Puls der Stadt zu sein. In der schwierigen Nachkriegszeit entstand hier aus der Not heraus auch ein echtes Kultobjekt: die „Hasenmilch“. Diese geheime Mischung aus Rotwein und weiteren Zutaten war ursprünglich eine kreative Lösung, um den damals knappen Wein ergiebiger zu machen – heute ist sie von der Waldseer Fasnet nicht mehr wegzudenken.
Tradition trifft Moderne: Die Generalsanierung 2008:
Einen entscheidenden Meilenstein markiert das Jahr 2008. In einer aufwendigen Generalsanierung wurde das historische Fachwerkhaus behutsam modernisiert. Unter der Leitung von Architekt Karlheinz Vogt wurde das Gebäude fast vollständig entkernt, um morsche Balken durch historisches Gebälk zu ersetzen und moderne Standards in die jahrhundertealten Mauern zu integrieren. Dabei blieben die Seele des Hauses und die historischen Spuren – wie die Zimmermannsmarken im Dachstuhl oder die alten Steinmauern im Keller – erhalten.
Heute lädt die Weinstube „Zum Hasen“ dazu ein, bei einem Vesper und einem Glas Wein die Geschichten zu entdecken, die in den alten Balken stecken. Es ist ein Ort, an dem die Kontinuität der Geschichte Bad Waldsees bei jedem Besuch spürbar wird.